Die Rolle des Paul Pokriefke in Günther Grass´,,Im Krebsgang"


Die Beziehungen von Paul Pokriefke
Paul Pokriefke und Tulla:
- Tulla meint, dass Paul es den Passagieren der Gustloff schuldig sei, etwas darüber zu schreiben, vor allem mit ihren Informationen (S.31)
- Tulla und Paul sind sich sehr fremd, sie führen eine schwierige Beziehung, denn jeder hält den anderen für eine Versager oder Lügner
- Dennoch wissen sie sehr viel übereinander, was aber dadurch kommt, dass Tulla ihm immer wieder von der Gustloff und von den daraus entstandenen Widrigkeiten von ihr erzählt
- Tulla meinte früher immer, Paul werde irgendwann eine richtige Berühmtheit, doch er wurde nach ihrer und wohl auch seiner Meinung ein Versager
- Einige Charakterzüge PPs sind sehr geprägt von Tulla, wie Jana schon verdeutlich hat
- besonders stört PP, dass Tulla sagt, er sei auf der Löwe geboren, als das Schiff unterging und sein erster Schrei gleichzeitig mit den Opfern auf der Ostsee zu hören war
- PP sagt, dass die lügt, hat jedoch dafür keine Beweise und mittlerweile ist es ihm wohl auch egal
- aber er hat ein schlechtes Bild von seiner Mutter und bezeichnet sie wohl auch ungern als Mutter, denn die Beziehung der beiden ist eine andere
- eine Beziehung, die sehr angeknackst ist und von beiden Seiten nur bedingt geduldet/ gemocht wird

PP und Konny:
- vaterlos geboren und aufgewachsen, um irgendwann Vater zu werden (S. 151)
- Kontakt ist unregelmäßig und selten, aber PP hat Besuchsrecht
- PP sieht Konny als sog. Streber
- PP gibt Tulla die Schuld an Konnys Entwicklung
- „versäumte“ aufmunternde Rufe zu Konny während der Gerichtsverhandlung
- PP und Gabi reden erst zögernd mit Wolfgangs Eltern, dann sehr offen, ohne jegliche Abwendung durch Konnys Tat
- findet, dass Konny als einziger sehr klare Worte spricht
- kann das ganze Verhalten von ihm nicht verstehen und nachvollziehen, weil er einfach zu wenig über seinen Sohn weiß
- sagt nichts zu den Handlungen im Gefängnis oder zu den Fotos von Konny, er wundert sich aber, als Konny das Modell der WG zerschlägt und sagt: „Zufrieden jetzt, Vati?“
- danach redet er irgendeinen „Stuss“, über einen Neuanfang von ihm und Konny und aufmunternde Sachen, die er vielleicht schon früher einmal hätte sagen sollen

PP und der Alte:
- PP erhielt von ihm den Auftrag, über den Untergang zu schreiben, weil sein Boss (Günther Grass) „ sich müde geschrieben hat“ und in ihm „jemanden gefunden“ hat, der „stellvertretend- an seiner Stelle“ gefordert sei, über den Einfall der sowjetischen Armeen ins Reich, über Nemmersdorf und die Folgen zu berichten (S.99), außerdem wurde er beim Untergang des
Schiffes geboren
- Der Alte wird wie PP von Tulla gezwungen, etwas über den Untergang der Gustloff zu schreiben und stellt PP in Auftrag
- Außerdem gibt er PP Tipps, wie er dies schreiben solle „nach Art der Krebse“
- Er nagelt PP auf der Brust fest, mag keine Ausreden und will, dass PP fertig schreibt, er durchsucht sogar den Wust dessen Unterlagen und will sogar, dass PP über den Fuchs Tullas
schreibt
- An dem Alten nagt es, dass es die Aufgabe seiner Generation wäre, das Elend der Flüchtlinge zum Ausdruck zu bringen, niemals hätte man das Thema den Rechtsgestrickten überlassen
dürfen, das Versäumnis sei bodenlos (S.99)
- Er sagt, PP habe bei seinem Sohn versagt und kenne sein eigen Fleisch und Blut nicht (174), bedenkt jedoch das Geburtstrauma PPs als mildernden Umstand für väterliches Unvermögen
(S.151)
- der Alte gibt vor, ihn zu kennen
- nennt PP einen „verspäteten Vater“ und meint: alles was PP von sich weg krebsend tut, ziemlich nahe der Wahrheit beichte oder wie unter Zwang preisgebe, geschieht nach seiner
Wertung „ nachträglich und aus schlechtem Gewissen“
- PP nennt den Alten, meist Boss oder sagt nur Er
- Die beiden sind nicht befreundet, nur Auftraggeber und –nehmer
- PP denkt kritisch über ihn, außerdem ist er genervt von der Meinung des Alten über ihn, einerseits gibt er ihm manches Mal Recht, andererseits stören PP auch einige seiner Aussagen und
seine Bestimmungen, wie er zu arbeiten hat
- In einem Punkt sind sie sich beide einig: der Rechtsradikalismus muss aufhören bzw. gestoppt werden


PP und Gabi:
- Das Verhältnis der beiden ist sehr schlecht, Gabi hält PP auch für einen Versager, hat aber früher heimlich die Pille abgesetzt, wurde schwanger und zerrte PP zum Heiraten
- Für PP war sie zunächst nur eine Freundin und hatte etwas Mitreißendes und Anmachendes, vielleicht auch weil sie 10 Jahre jünger ist als er
- Liebe empfand er für sie nicht

Quellen:
http://www.buchkritik.at/kritik.asp?IDX=4422



Paul Pokriefke – sein Bezug auf die Novelle „Im Krebsgang“


- PP bezieht sich mit seiner Novelle Im Krebsgang nicht auf Vergangenes, sondern vielmehr auf Gegenwärtiges => Entwicklung/ Situation seines Sohnes Konrad

- Wichtig zu erwähnen: erster Abschnitt des ersten Kapitels => entstand nach dem Geschehen der darauf folgenden Kapitel – eine Art Einleitung und Hinweis darauf, dass er mit der Vergangenheit beginnen muss, um zu der gegenwärtigen Situation zu gelangen, es verständlich zu machen

- PP arbeitet also während seines Berichtes über faktisch Vergangenes auf den aktuellen Standpunkt seines Sohnes hin

- Mit Im Krebsgang schreibt PP die Geschichte des Untergangs der Wilhelm Gustloff auf, um sein väterliches „Versäumnis“ wettzumachen

- Hier ist zu erwähnen, dass es PP Überwindung kostet, dieses zu tun, da er die Gustloff gewisser Maßen meidet, da sie ein gesamtdeutsches Tabu zu sein scheint – außerdem ist die Gustloff seiner Meinung – genau wie seine Mutter – schuld an seiner jetzigen schwierigen Situation: denn

 er hat als einer der wenigen Säuglinge überlebt
 seine Mutter, die ihn schließlich in diese Lage gebracht hat, hat überlebt
 die Gustloff hat seinen Sohn erst fanatisch werden lassen

- so beschreibt PP nicht etwa den Untergang der Wilhelm Gustloff ins seiner Novelle, sondern vielmehr den Untergang seines eigenen Sohnes

- Mit der Frage Warum erst jetzt, die von jemandem auf Seite 7 gesagt wird, verfällt PP – wie auch in weiteren Teilen der Novelle – in gewissen Gedankenströme, da er nicht faktisch, sachlicht und kurz sowie unpersönlich antworten kann – er macht es sich also folglich am liebsten so einfach wie nur irgend möglich => Die Frage bezieht sich allerdings nicht auf den Untergang der Wilhelm Gustloff, sondern auf das plötzliche Interesse an seinem Sohn

- PP schreibt das Buch also als eine Art „von verspäteter Vaterfigur“

- Nicht nur im Bezug aufs schreiben, sondern auch in seinem bisherigem Leben hat er versucht, es sich so einfach wie möglich zu machen – er gibt sich in vielerlei Hinsicht neutral, seine Meinung, wenn er denn eine eigene hat, vertritt er so gut wie gar nicht, lässt anderen den Vortritt und gibt anderen gern die Schuld

- Schließlich betont er immer wieder die Tatsache, dass er nicht gänzlich schuld an der Situation seines Sohnes ist, denn letztendlich sei doch er, der vaterlose, vaterlos aufgewachsen, selbst Vater geworden, wo er doch nie Vater werden wollte

- So sucht er gern in allen Anwesenden die Mitschuld an seinem Versagen – wo er es doch hätte besser machen können

- Doch schuld ist hauptsächlich seine Mutter Tulla

• Hat ihn geboren
• Hat überlebt
• Schuld an Konrads Vernarrtheit
• Schuld, dass Konny einen Mord begehen konnte
• Schuld, dass er so einer ungewollten Situation ausgesetzt ist

- Seiner Meinung nach ist er also nicht nur schuldig sondern auch ein Opfer, doch mit seiner Novelle versucht er, ein Stückchen seiner Schuld zu begleichen, wobei er das eine oder andere Mal auch in Selbstmitleid verfällt, denn was macht schon ein Leben mehr oder weniger und er zähle ja sowieso nicht

- Mit dem Buch übernimmt er allerdings ein wenig Verantwortung und Verpflichtungsgefühl


„Versager“


In Tullas Augen ist ihr Sohn ein Versager, der nichts Nennenswertes geschafft hat. Sie schickte ihn extra in den Westen, damit aus ihm etwas wird, doch er schlug einen anderen Weg ein und dümpelt nun so vor sich hin.

Im Buch wird beschrieben, was ihn als Versager ausmacht und was seine Mutter ihm vorwirft:

- geht nicht nur persönlicher Verantwortung, sondern Verantwortung allgemein aus dem Weg (210)
- antriebslos, fürchtet Aufwand und Umstände (210)
- genoss sein bummeliges Leben bei Tante Jenny und vermisst es nun
- passt sich an und nimmt die Meinung an, die ihn in eine unangreifbare Situation bringt -> Bequemlichkeit
- leicht beeinflussbar (Konfliktvermeidung, Bequemlichkeit)
- feige (fürchtet Umstände, spielt Konflikte runter [Konny HP])
- unschlüssig, weiß nicht, wer er ist, was er möchte und wer er sein will; das hängt sicherlich damit zusammen, dass er keinerlei Werte vermittelt bekommen hat, weil Vorbilder (Vater) fehlten, und deshalb ist er auch selbst unfähig ein Vorbild zu sein
- pessimistisch und selbstmitleidig, fühlt sich ungerecht behandelt, da niemand ihn ernst nimmt
- schwach

Paul allerdings bezeichnet das „nur nichts Falsches sagen“ und „nach außen hin korrekt erscheinen“ als Selbstdisziplin (210), das jedoch halte ich für unsinnig, da Selbstdisziplin ja die Aufrechterhaltung eines Zustandes durch die Aufwendung von Anstrengungen meint und davon kann bei ihm sicher nicht die Rede sein.

All die genannten Eigenschaften erklärt er mit den Umständen seiner Geburt bzw. schiebt sie darauf (210).

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